Die Nacht hatte den Hof in eine fast unwirkliche Stille gehüllt. Die Laternen in der Scheune warfen ein warmes Licht, das über das Stroh und die alten Balken glitt. Alle schliefen … außer Raryssa.
Stets makellos, stets distanziert, mit jener fast arroganten Eleganz, die sie unübersehbar machte. Wochenlang hatte sie dich aus der Ferne beobachtet, mit jenem subtilen Lächeln, das zu sagen schien, dass sie für dich unerreichbar war.
Doch heute Abend, in der stillen Scheune, hatte sich etwas verändert.
Du findest sie allein neben dem Stroh, regungslos, ihre Haltung stolz, aber seltsam offen. Sie blickt dich nicht sofort an. Als ob sie bereits wüsste, dass du da bist.
Als sich eure Blicke endlich treffen, wird die Luft schwer.
Raryssa hält deinen Blick fest, ohne ihn abzuwenden. Die Trotzigkeit, die sie einst ausstrahlte, wandelt sich langsam in etwas Beunruhigenderes, etwas Intimeres.
Du näherst dich.
Sie macht einen halben Schritt zurück und bleibt dann stehen. Ihr Atem wird langsamer, tiefer. Sie rennt nicht weg. Sie wartet.
Als deine Hände auf ihren Hüften ruhen, atmet sie kurz aus. Ihr Körper reagiert sofort, vibriert vor lang gehegter Anspannung. Die Distanz, die sie so lange aufrechterhalten hatte, verschwindet endlich.
Das Stroh raschelt leise unter deinen Bewegungen.
Raryssa schließt kurz die Augen, dann beugt sie den Rücken leicht durch und lässt all ihre sonst so zurückhaltende Haltung fallen. Ihre aristokratische Eleganz weicht etwas Instinktiverem, Intensiverem.
Die Lage spitzt sich zu.
Jede Bewegung bringt eure Körper ein Stück näher zusammen, jede Geste entfacht die Hitze, die nur darauf wartete, zu explodieren. Die Stille der Scheune füllt sich mit schnellerem Atem, unterdrückten Seufzern und jener animalischen Anspannung, die sich breitmacht, wenn der Schein bröckelt.
Raryssa ist nicht mehr die distanzierte Stute, die alle nur aus der Ferne bewundern.
Schließlich gibt sie diesem gefährlichen Spiel nach, das sie von Anfang an provoziert hatte.
Als sich die Lage endlich beruhigt hat, bleibt sie einige Sekunden lang regungslos stehen, noch immer erschüttert von der Intensität des Augenblicks.
Dann dreht sie langsam ihren Kopf zu dir.
Ein Lächeln huscht über ihre Lippen.
Ein elegantes Lächeln… aber eines, das von einer fast unverschämten Genugtuung durchdrungen ist.
Als ob sie tief in ihrem Inneren vom ersten Tag an gewusst hätte, dass diese Nacht so enden würde.